Kurzschlaf erhöht Diabetes-Risiko

Quelle: Archiv der Berliner Zeitung (veröffentlicht 13.04.2011)

Kurzschlaf erhöht Diabetes-Risiko

Neuer Ansatz für Prävention

Unruhiger oder zu kurzer Schlaf kann das Risiko erhöhen, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Das haben Studien erneut gezeigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Nachtschlaf den Stoffwechsel unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Körpergewicht oder Ernährung beeinflusst. Damit spielt der Schlaf neben dem Übergewicht nach Ansicht der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) eine wichtige Rolle für die Prävention.

„Die Daten zeigen, dass Kurzschlaf und Schlafstörungen ebenfalls ein großes Risiko darstellen“, sagt Sebastian M. Schmid vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Weniger als 4,5 Stunden ungestörten Nachtschlafs machten sich bereits bemerkbar: Schlafmangel erzeuge ein Hungergefühl, mindere das spontane Bewegungsverhalten und die Empfindlichkeit der Zellen für das Blutzucker senkende Hormon Insulin.

In Deutschland leben nach Angaben der DDG mehr als acht Millionen Menschen mit Diabetes, rund 90 Prozent der Erkrankten leiden am Typ 2 Diabetes. (ki.)

Internist 2011

DOI: 10.1007/s00108-010-2710-6

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg, IG Schienenlärm, VCD/DNR-Hintergrundpapier zum Thema Schienenlärm, WANC 03.05.10

Auch Schienenlärm macht krank

Die Studie „Macht Schienenlärm krank?“ belegt, dass sich hinsichtlich der wahrgenommenen Belästigung von Schienenanwohnern ein deutlicher Dosis-Wirkungszusammenhang offenbart. Im Vergleich zum Straßenverkehr erweist sich Schienenlärm als störender für bestimmte Aktivitäten, insbesondere bei der Kommunikation, jedoch als weniger störend hinsichtlich der allgemeinen Ruhe und Erholung. Feldstudien sollen nachweisen, dass der Schienenlärm sich weit weniger störend auf das Schlafverhalten auswirkt als andere Verkehrsarten. In Laborstudien allerdings zeigte sich bei verschiedenen Schlafparametern eine größere Beeinträchtigung des Schlafes durch Schienenlärm als durch Straßen- und Flugverkehrslärm.

Die neue Studie bemängelt, dass der Zusammenhang zwischen Lärmexposition und Herz-Kreislauferkrankungen, wie er für den Straßen-und Flugverkehr nachgewiesen wurde, bisher für Schienenlärm nicht untersucht wurde.

Insbesondere die Schlafstudien zeigen einen starken Einfluss von Schienenlärm auf das Schlafverhalten, bedingt durch die im Vergleich zum Straßenverkehr relativ hohen Spitzenpegel der vorbeifahrenden Züge. Die dabei verursachte Erregung des autonomen Nervensystems ist selbst dann nachzuweisen, wenn kein Aufwachen stattfindet. Die gesetzlichen Vorgaben zum Lärmschutz berücksichtigen allerdings beim Schienenlärm keine Spitzenpegel und ermöglichen so auch nachts hohe Lärmspitzen.

Zudem erlaubt der so genannte „Schienenbonus“ dem Schienenverkehr im Vergleich zum Straßenverkehr einen um 5 dB(A) höheren äquivalenten Dauerschallpegel. Die Rechtfertigung für diesen Bonus beruht auf alten Daten und berücksichtigte nur subjektive Störungen. Neue Untersuchungen bestätigen diesen Bonus nicht. Sie zeigen stattdessen, dass beim Schienenlärm ein gesundheitliches Risiko vor allem durch eine regelmäßige Störung des Schlafes entsteht. Dieses Risiko wird durch den Schienenbonus sowie das Fehlen eines Grenzwertes für Spitzenpegel erhöht. Daher sei der Schienenlärmbonus aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr haltbar.

Bisher gelten folgende Grenzwerte für den Schienenverkehr, wobei die Ermittlung der Beurteilungspegel von Schienenverkehrslärm sowohl im Rahmen der Lärmvorsorge als auch bei der Lärmsanierung rechnersch nach dem in der Verkehrslärmschutzverordnung beschriebenen Verfahren:

  1. an Krankenhäusern, Schulen, Kurheimen und Altenheimen, Tag: 57 dB(A), Nacht: 47 dB(A)
  2. in reinen und allgemeinen Wohn- sowie in Kleinsiedlungsgebieten, Tag: 59 dB(A), Nacht: 49 dB(A)
  3. in Kern-, Dorf- und Mischgebieten, Tag: 64 dB(A), Nacht: 54 dB(A)
  4.  in Gewerbegebieten, Tag: 69 dB(A), Nacht: 59 dB(A)Reinhard Raggam vom Institut für Umweltmedizin an der Grazer Medizin-Universität beispielsweise sagt, dass Schienengeräusche in höheren Schallpegeln “lästiger” und damit gesundheitlich schlechter sind, als Straßenlärm derselben Lautstärke. Der Schienenlärm geht laut Raggam nicht so gleichmäßig dahin wie Straßenverkehrslärm, sondern hat Spitzenpegel, die bis zu 92 Dezibel entsprechen können. Das sei deutlich lauter als ein LKW.

Medizinische Untersuchungen zu den Auswirkungen von Lärm besagen, dass bereits durchschnittliche Lärmbelastungen von tagsüber über 65 Dezibel(A) und nachts über 55 dB(A) als Gesundheitsgefährdend gelten. Von Gerichten werden mittlerweile zumindest Überschreitungen von 60 dB(A) in der Nacht (22.00 Uhr bis 6.00 Uhr) als unzumutbar anerkannt.

Vor allem stresse Quietschen der Schienen mehr als Straßenlärm. Diese Lautstärke sei schon nach wenigen Minuten gesundheitsgefährdend. Der Grund ist laut Experten einfach zu erklären: „Lärm ist nicht gleich Lärm. Das Quietschen von Schienen wird von Personen lästiger empfunden als die Geräusche einer Straße. Daher stresst dieser mehr.” Der Stress führe zu Bluthochdruck und eher zu einem Herzinfarkt.

Die Studie „Macht Schienenlärm krank?“ hat das Universitätsklinikum Freiburg im Auftrag des Regionalverbands Südlicher Oberrhein (RVSO) verfasst. 119 Forschungsarbeiten zu dieser Fragestellung wurden hinsichtlich sieben verschiedener Auswirkungen auf die Gesundheit ausgewertet: Belästigung, Störung von Aktivitäten, Schlaf, Leistung, physiologische Reaktionen, Auswirkungen auf Herz-Kreislauferkrankungen und Kinder. Zu den eher subjektiven, variablen Belästigungen und Störungen liegen die meisten Studien vor, zu Erkrankungen in Folge von langfristigem Schienenlärm gibt es dagegen bisher keine Studien.

WANC 03.05.10, Quelle: Universitätsklinikum Freiburg, IG Schienenlärm, VCD/DNR-Hintergrundpapier zum Thema Schienenlärm

Quelle: Vergleichende Untersuchung zu Verkehrslärmwirkungen auf den Schlaf (17.09.2007) Dr. med. Mathias Basner, M.Sc. Eva-Maria Elmenhorst, Hartmut Maaß, Uwe Müller, Julia Quehl, Martin Vejvoda und Alexander Samel

Zur Studie